Pseudorealität

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Mutter Natur, das Monster aller Monster
Als Pseudorealität wird eine Welt bezeichnet, die von den in ihr lebenden Wesen als wahr, richtig und unabänderbar wahrgenommen wird, in Wirklichkeit aber des Lebens größter Feind ist und es nicht verdient, real zu sein. Kennzeichnend sind totalitäre, unverhandelbare Naturgesetze, die die Basis für schlimmste Grausamkeiten bilden, aber von der Bevölkerung hingenommen und oft sogar verteidigt werden. Die Umwelt sowie die innere Natur des Menschen verursachen gleichermaßen unermessliches Leid und schränken die Möglichkeiten ein. Die Psyche gaukelt einem Sinn und Hoffnung vor, um einen wiederholt zu enttäuschen.

Im Bestreben, der Probleme Herr zu werden, bürden sich die Leute zusätzliche Regelsysteme auf, die nicht selten in Unterdrückung gipfeln. Dieser Artikel befasst sich mit der Fehlbarkeit der Natur. Die daraus resultierenden gesellschaftlichen Probleme sind ein großes Thema für sich und werden unter Gesellschaftskritik genauer beleuchtet.

Virtuelle Realitäten, Phantasiewelten und Spielszenarien, die Regeln, Einschränkungen und simulierter Gefahr unterliegen, in die man sich aber freiwillig begibt und jederzeit aussteigen kann, zählen nicht als Pseudorealität. Hier verzichtet man bewusst auf einen Teil der Möglichkeiten, um sich zu messen oder ein besonderes Erlebnis unter speziellen Umständen zu haben. Verluste in einer solchen Welt sind nicht endgültig und lebensbedrohlich. Spiel und Phantasie sind ganz im Gegenteil die wahre Realität, weil sie vielfältig und veränderbar sind und vor allem, weil nicht jeder Furz den Untergang bedeutet. Wenn Spiele negative Auswirkungen haben, wie z.B. Sucht, dann liegt der Fehler nicht am Spiel, sondern an der Rahmenwelt, innerhalb derer das Spiel gespielt wird. Die Pseudorealität ist so gestaltet, dass sie gute Dinge wie Träume, Spiele, Phantasie als unnütz, nebensächlich und dem krankhaften "Ernst des Lebens" untergeordnet erscheinen lässt.

Inhalt

Über den Begriff Realität


Mit Realität wird gemeinhin die physiche Welt im Gegensatz zu virtuellen Welten und Phantasien bezeichet. Diese Definition ist akzeptabel, wenn sie als wertfreie Bezeichnung zur Unterscheidung von Existenzformen dient. Als problematisch empfinde ich jedoch, wenn der Begriff benutzt wird, um die physische Welt und den "Ernst des Lebens" als das einzig Wahre und Richtige darzustellen und alles Geistige und Müßige als nutzlose Phantasterei abzutun, wenn er benutzt wird, um Missstände der physischen Welt aufgrund ihrer bloßen vermeintlichen Unabänderbarkeit zu rechtfertigen und Kritik und Idealismus zu verunglimpfen. Meine persönlichen Assoziationen mit diesen Begriffen sind folgendermaßen:
Realität≙ ZwangLeidErnstArbeitFremdbestimmungLangeweileStressBedrohungAlternVergänglichkeit
Phantasie≙ FreiheitFreudeSpaßFreizeitSelbstverwirklichungAbenteuerErfüllungGeborgenheitJugendBeständigkeit
Bloß weil die "Realität" als übergeordnet und alternativlos gilt, muss ich sie noch lange nicht für makellos und gerecht halten. Gerade weil sie unverhandelbar ist, disqualifiziert sie sich als gerechtes System. Ich habe mich daher entschieden, den "Ernst des Lebens" zu einer grundlegend falschen Daseinsform zu erklären und dessen Überwindung hin zu einer Existenz in reiner Phantasie zum erstrebenswerten Ideal. Die höchste Form der Wahrheit sollte nicht in dieser beschränkten Welt liegen, sondern im uneingeschränkten Zugang zu allem Vorstellbaren.

Über den Begriff Natur


Mit Natur wird gemeinhin die Wildnis im Gegensatz zur Zivilisation bzw. das Lebendige / von allein Entstandene im Gegensatz zum künstlich Erschaffenen bezeichnet. Angesichts der rücksichtslosen Ausbeutung und Zerstörung der Natur durch den Menschen wird sie vorschnell als gutmeinendes, unschuldiges Opfer dargestellt. Doch Natur ist im weitesten Sinn das Naturgesetz, nach denen sich alles im Universum entwickelt. Die oberflächliche Schönheit und empfindliche Balance unberührter Ökosysteme ist ebenso ein Produkt natürlicher Evolution, wie der rastlose Geist des Menschen, der in seinem unbändigen Gestaltungswillen die Umwelt schädigt. Unter der hübschen Oberfläche aus imposanten Landschaften, saftigem Grün und quirligen Tieren ist die Natur ein grausames, abgrundtief perverses Regime. Und indem die Natur kein Bewusstsein und keinen Willen hat, entzieht sie sich jeder Verantwortung.

Es heißt, das Leben sei ein Wunder, weil seine Entstehung so unwahrscheinlich ist. Doch im Umkehrschluss heißt das nichts weiter, als dass dieses Universum ziemlich ungeeignet für Leben ist, und das Leben darin ein schlechter Deal mit großen Entbehrungen ist. Die Natur schenkt nichts, sie zwingt das Leben zu einem gnadenlosen Überlebenskampf, der solch eine Monstrosität wie den Menschen hervorbringt. Die Evolution denkt nicht nachhaltig, sie gibt dem Vorzug, was im Augenblick nützlich erscheint. Dann geht die Welt plötzlich an den Folgen in die Knie und wir haben nur noch die Wahl, unseren Entwicklungstrieb zu unterdrücken, oder weiterzumachen und uns von der kaputten Welt hinrichten zu lassen. Der Natur ist es einerlei, ob wir die Welt jetzt zerstören, oder die sterbende Sonne in ferner Zukunft. Deshalb werde ich die Natur hier nicht als Urzustand perfekter Harmonie verklären. Sie ist ein gefühlloses Regelsystem, das Leben und Bewusstein aufgrund einer langen Kette günstiger Zufälle erblühen lässt, bis es an seine Grenzen stößt, und es dann mit seinen Unzulänglichkeiten allein lässt und mit der Realisierung seiner eigenen Vergänglichkeit quält.

Ungerechtigkeiten werden häufig damit bagatellisiert, dass das Leben nunmal nicht fair sei. Auf die Frage, wie wir uns am besten mit der Natur arrangieren, folgen aber nicht minder wichtige Fragen: Ist das Leben dann noch lebenswert? Ist es moralisch vertretbar, sich mit einem ungerechten System zu arrangieren? Ist es moralisch vertretbar, Kinder in eine ungerechte Welt zu setzen?

Der Körper ist eine Behinderung


die Hässlichkeit "realer" Menschen
Ein wesentlicher Grund, warum das Leben schlecht ist, ist weil es an einen fleischlichen Wirt gebunden ist. Bin ich ein Askese-Prediger, der das sündige Fleisch verdammt? Nein, im Gegenteil, ich will grenzenloses Ausleben aller Lüste, auch der Körperlichen. Und dabei ist der Körper im Weg. Bewusstsein entsteht im Geist, also könnte man Körperlichkeit auch simulieren ohne all die Gefahren und Nachteile. Man sollte nicht an einen Körper gefesselt sein, an einen Einzigen, Unveränderbaren, Zerbrechlichen, nach permanenter Aufmerksamkeit schreienden, der einen einengt und einem vorschreibt, wie man zu sein hat und was man zu tun hat, damit er einem die Glückshormone gewährt. Unsere Verhaltensweisen und Körperfunktionen dienen letztlich alle nur einer sinnlosen Selbst- und Arterhaltung, nie werden wir gefragt, ob wir mit den diktierten Zielen und Bedingungen einverstanden sind. Wir sollten nicht dem Leben dienen, sondern das Leben uns. Im Folgenden wird erläutert, wie der Körper unsere Freiheit und unser Glück behindert:

anatomische Fehlkonstruktionen

Das Schlechte dominiert


Es ist nicht alles schlecht in der Pseudorealität. Es gibt gute und schlechte Dinge in der Welt, aber die Welt an sich ist schlecht und gibt dem Schaden immer den Vorrang. Das macht die guten Dinge madig, weil sie nicht aus sich selbst heraus existieren und auf ewig gut bleiben, sondern nur von Energie und Materie in ihrer Form gehalten werden, die den verderbten Naturgesetzen unterworfen sind.

Das Persönlichkeitsdiktat


In deinem Kopf sitzt ein kleiner Schnellrichter. Solltest du es wagen, die von der Natur vorgeschriebene Lebensart zu missachten, straft er dich mit Krankheiten, Unglück, Depression und erhöhter Sterblichkeit. Bist du hingegen artig und tust genau das, wozu du konstruiert worden bist, dann belohnt er dich mit einem Bonbon voller Glückshormone. Der Richter lässt sich zeitweise bestechen, doch nur um es dir danach vielfach heimzuzahlen. Willst du dir dein Glück über abweichende Tätigkeiten und Substanzen erschleichen, wird er dich mit Suchtkrankheiten und all ihren Folgen strafen. Dabei sind die Persönlichkeitsanforderungen selbst nichts anderes als vorinstallierte, unheilbare Süchte.

Die 2 Grundsätze der Psychologie


Die menschliche Psyche lässt sich auf zwei grundlegende Prinzipien herunterbrechen, die sich stets gegen einen selbst richten:
  1. Selbst ist der Depp
    Die 1. Grundregel besagt, dass du immer selber schuld bist und selbst wenn du es nicht bist, musst du es ausbaden. Die Natur wird sich nie bequemen, einen Fehler zuzugeben und die Verantwortung immer auf dich abwälzen. Wenn du unter irgendetwas leidest, liegt es immer nur an deinem negativen Denken, nie an der offensichtlichen Schlechtigkeit der Welt. Die Fehler der Anderen sind nur deine eigenen projizierten Schwächen. Und wenn tatsächlich Andere an deinen psychischen Problemen Schuld sind, musst du dennoch selber alles aufarbeiten. Dann musst du es akzeptieren, verzeihen, darüber hinwegkommen, immer musst du dich selbst verraten und dich der Welt beugen.
  2. Immer das Gegenteil
    Die 2. Grundregel besagt, dass die Wahrheit immer das Gegenteil von deinen Überzeugungen ist und um deine Defizite zu überwinden, du immer das tun musst, was du gerade am allerwenigsten tun möchtest. Wenn du irgendetwas hasst oder davor Angst hast, musst du dich damit auseinandersetzen. Wenn du träge und bocklos bist, musst du erst recht aktiv sein. Wenn du idealistisch bist, wirst du immer enttäuscht werden und du musst die Gegenseite akzeptieren. Sobald sich ein Wunsch erfüllt, bist du unzufrieden und willst wieder etwas ganz anderes. Auch wenn du jemandem mit psychischen Problemen helfen willst, ist das logisch Naheliegenste immer genau falsch und verschlimmert die Situation nur. Negativen Persönlichkeiten wird geraten, die Nähe zu positiven Leuten zu suchen, während man den Positiven rät, negative Menschen zu meiden.

Das Böse ist sinnlos und illegitim


Versuche, das Schlechte in der Welt zu rechtfertigen, gibt es einige. Egal welche Ausreden man erfindet, es sind Zirkelschlüsse, die auf der Logik der gleichen Naturgesetze beruhen, die die Schlechtigkeit verursachen. Ob Schlechtigkeit nun real oder eingebildet ist, ob vermeidbar oder unabwendbar, ob gerecht oder ungerecht, ob absolut oder realtiv, spielt keine Rolle. Die Wahrnehmung von Leid existiert, und das widerspricht dem Willen jedes empfindenden Wesens. Die guten Seiten des Lebens entschuldigen nicht die Schlechten. Ein Massenmörder bleibt ein Massenmörder, auch wenn er nur jeden zweiten Tag mordet. Wir sollten bei der Natur keinen anderen Maßstab anlegen, als bei jedem anderen verbrecherischen System.
  1. Dualismus und falsche Demut
  2. Die Natur funktioniert. Allein deshalb meinen selbstgefällige Masochisten, sie wäre perfekt und gerecht. Leid und Verlust werden als unweigerlicher Bestandteil des Lebens schöngeredet. Die Herausforderungen würden das Leben erst interessant machen und man würde daran wachsen. Wenn wir alle Wünsche erfüllt bekämen, würden wir zu verwöhnten, dekadenten Arschlöchern werden. Es mag stimmen, dass ein allzu leichtes Leben korrumpiert, doch wir sollten bedenken: der Mensch ist schlecht, weil die Welt schlecht ist.
    Die Beschaffenheit unseres Gehirns und wie es auf Reize reagiert ist das evolutionäre Ergebnis einer Umwelt, in der Mangel und Gefahr der Normalzustand sind. Freude dient der Motivation, Leid der Meidung von Gefahren. In Zeiten des Überflusses kommt dieses System aus dem Gleichgewicht. Die Empfindung von Freude stumpft ab, wir brauchen immer extremere Stimulation. Beziehungen haben nicht mehr ihren überlebenswichtigen Stellenwert und das Klima wird unsozialer (Nicht dass es im Zustand des Mangels weniger unsozial wäre). Dass Freude nur in Relation zu Leid wahrgenommen werden kann, wird dann als universelle Wahrheit dargestellt.
    Aber nehmen wir einmal an, die Welt wäre freundlich. Wenn Lebewesen unabhängig von externer Versorgung mit begrenzten Ressourcen wären und wenn Eigentum nicht aus materiellen Gütern bestünde, sondern in manifestierter Phantasie und dem Reichtum an Erfahrungen, dann gäbe es keine Gier und keine Rivalität. Wenn zwischenmenschliche Interaktion nicht auf Überlebenszwängen beruhte, sondern rein freiwillig und nur zur Unterhaltung diente, wäre alles viel stressfreier. Wenn Gewalt einen nicht weiterbringen würde, weil jeder Schaden schmerzlos und reversibel wäre, gäbe es keine Verbrechen und Kriege. In einer Welt ohne Gefahren wäre es nicht nötig zu lernen, mit Leid umzugehen und die Abstumpfung von dauerhafter Freude wäre überflüssig.
    Wenn man ewige Freude an der selben Sache haben könnte, würde die Motivation, neue Freudenquellen zu erschließen, wegfallen. Es stimmt durchaus, dass Probleme den Anreiz für Fortschritt und Veränderung liefern. Doch müssen wir hier differenzieren. Herausforderungen sind dann anregend, wenn man die Chance zur Offensive hat. Das bedeutet, dass die Grundversorgung gesichert ist und darüber hinaus eine Aussicht auf anhaltende Verbesserung besteht. Doch meistens sind wir in einer hoffnungslosen Defensive gefangen, nur damit beschäftigt, eine Verschlechterung zu bekämpfen und das Risiko, alles zu verlieren, überwiegt. Die meisten Probleme bereichern uns nicht, sondern behindern und zermürben uns. Aus diesen Gründen beruht die angebliche Notwendigkeit von Leid nur auf der Existenz von sich selbst. Die totale Abschaffung des Leids würde auch das Leiden an zu viel Freude beinhalten.

  3. Schöpfer der eigenen Realität
  4. Die Anhänger dieser Theorie behaupten, unsere negativen Gedanken und Bewertungen würde die Welt so schlecht erscheinen lassen, wir sollten doch gefälligst alles positiv sehen. Wenn wir nur unsere Meinung und unser Verhalten anpassen, kann wohl kaum die Rede davon sein, die Realität zu verändern. Die Tatsache, dass sich die Realität nicht unseren Wünschen anpasst zeigt, dass die geistige Schöpferkraft Einschränkungen unterliegt. Sollten diese Einschränkungen tatsächlich nicht von der Außenwelt kommen, sondern im Interesse eines unbewussten, höheren Selbsts liegen, wäre das Problem nur um ein Glied in der Kausalkette verlagert. Welchen Anlass sollte das höhere Selbst haben, seine Inkarnation zu quälen, wenn es frei entscheiden könnte und es keine äußere Notwendigkeit dafür gäbe? Die Naturgesetze haben kein Bewusstsein, keine Gefühle, keine Bedürfnisse. Wir schon. Wir sind die Leidtragenden, und dennoch sind es nicht wir, die die Welt, in der wir leben müssen, gestalten dürfen, sondern wir müssen uns Regeln von einer gefühllosen Maschine diktieren lassen, die selber gar nichts davon hat, so beschissen zu sein.

  5. der Leistungsgedanke
  6. Wie bereits erwähnt, sorgt die ungerechte Kausalität dafür, dass man für sein Wohl schuften muss. Anstatt die Schuld im System zu suchen, postulieren manche daraus eine Grundschuld des Lebewesens, das sich beweisen müsse, um sich das Gute zu verdienen. Dies äußert sich vor allem in wirtschaftlichem Leistungswahn und religiösen Konzepten wie göttlicher Prüfung oder Karma. Wir wurden weder bei der Gestaltung der Naturgesetze mit einbezogen, noch haben wir eine Einverständniserklärung unterzeichnet. Wir schulden der Welt gar nichts. Es ist offensichtlich, dass sich die Verteilung von Freude und Leid nicht unmittelbar nach gutem und schlechtem Handeln richtet. Selten werden Entscheidungen aus böser Absicht getroffen. Wir tun, was wir aufgrund unserer beschränkten Perspektive für richtig halten. Die Auswirkungen sind oft verzögert, unterschwellig oder werden von fremden Einflüssen korrumpiert und überlagert, sodass sie zu Trugschlüssen führen. Außerdem ist es ja nicht so, dass alle mit den gleichen Voraussetzungen ins Leben starten. Dinge wie das Umfeld, in das man hineingeboren wird oder bestimmte Krankheiten können wir nicht beeinflussen. Es gibt also von Vornherein Ungerechtigkeit, unabhängig von den eigenen Taten. Diese Dinge mit kollektiver Schuld oder Schuld in einem vergangenen Leben zu begründen ist idiotisch. Wenn Vergehen und Strafe nicht erkennbar zusammenhängen, kann es keinen Lerneffekt geben. Es wäre nichts weiter als sinnlose Rache. Bezüglich göttlicher Prüfung sei auch im Hinblick auf Punkt 1 angemerkt: Da in einem Paradies ohne jegliches Böses andere Maßstäbe gelten, wäre eine Charakterprüfung im Umgang mit dem Bösen völlig überflüssig.

Die vier Stufen zum Bezwingen des Übels


Gerade noch davor gewarnt, präsentiere ich nun das Patentrezept gegen alle Probleme. Natürlich wird es nicht funktionieren, weil dies nicht die Pseudorealität wäre, wenn Hoffnung realistisch erschiene.
  1. Das Übel erkennen
    Die Wurzel allen Übels ist der Zwang und das Wesen allen Übels ist das Leid. Wo lebendes Bewusstsein von Zwängen geplagt wird, entsteht Leid. Verschiedene Kräfte prallen aufeinander, und wo sie sie keinen konstruktiven Weg finden, setzt sich die stärkere Kraft gnadenlos über die Schwächere hinweg. Oft haben beide Parteien berechtigte Ansprüche, es scheint jedoch unmöglich, dass sich alles gleichzeitig und für immer frei entfalten kann. Auch dies ist ein Zwang, der Zwang zu Kompromissen. Die Natur rollt mit Krankheit, Tod und Zerstörung über uns hinweg und all ihre Taten bleiben ungesühnt. Sie zwingt uns zur Akzeptanz. Das Böse tritt nicht personifiziert und vom Guten getrennt auf, es verkriecht sich feige und vermischt sich unauflöslich mit dem Guten. Es befällt die Gehirne potentiell guter Menschen und benutzt sie als menschlichen Schutzschild, denn man kann sie nicht töten, ohne auch die guten Anteile zu töten und damit wieder neues Leid zu verursachen. Wir sind gezwungen, das Böse mit langwierigen und umständlichen Methoden kleinzuhalten, niemals können wir es wirklich besiegen. Das ganze Leben sind wir gezwungen, uns alles von den erpresserischen Naturgesetzen gefallen zu lassen. Wer sich der Kausalität fügt und sein Fähnchen nach dem Wind hängt, scheint glücklich leben zu können. Doch das ist nur ein Scheinfrieden. Wir wollen das Glück jenseits der Linientreue erreichen. In der Phantasie ist alles möglich, dort kann das Böse offen bekämpft werden, doch wir sind Gefangene der Realität. Sie ist wahrlich das Reich des Bösen.
  2. Das Übel bekämpfen
    Die Phantasie ist der Pfad zur Freiheit. Träume, Spiele, Kunst und Geschichten eröffnen uns Welten, die so viel besser sein können als die "Realität". Die Phantasie ist die rechtmäßige Realität, die sich über alle Zwänge hinwegzusetzen hat. Sie soll das Böse austreiben, vom Guten isolieren und in angreifbare Körper bannen. Das Böse soll aus seinem Versteck herausgerissen werden und sich der Verantwortung stellen. Es soll wie wir spüren können, was es heißt ohne Chance auf Entkommen in einem vergänglichen Stück Fleisch gefangen zu sein, wehrlos den Gewalten ausgeliefert. Es soll sich bewusst werden, wie es vom ganzen Universum gehasst wird, wie falsch und nutzlos seine Existenz ist. Dazu setzen wir seine eigenen Mittel gegen es ein: "Ein Unglück kommt selten allein". Alles Schlechte zieht einen Domino-Effekt nach sich, eine lange, kausale Blutspur, die wir aufnehmen und umkehren. Dieser Leidspiegelfluch lässt das Leid zum Verursacher zurückfließen, welcher alles, was er je verschuldet hat am eigenen Leib erlebt. Jede Angst, jeder körperliche und psychische Schmerz, jeder Verlust, jede Trauer, Wut und Verzweiflung, jede Hilflosigkeit, all das in voller Ausdehnung des Lebens jedes einzelnen Opfers stürzt auf das personifizierte Böse herab und tötet es in unermesslicher Qual. So können wir reinen Gewissens wahrhaft erfüllende Rache nehmen, denn wir vernichten kein dem Bösen verfallens Lebewesen, sondern den Zwang und das Leid selbst.
  3. Das Übel ignorieren
    Ignorieren bedeutet keinesfalls, das Leid zu akzeptieren. Das Leid ist mit jeder Faser unseres Seins zu verachten und verdient nicht das geringste Zugeständnis. Doch während wir auf Stufe 2 noch viel zu viel Zeit und Energie für die Beseitigung dieser schändlichen Entität opfern mussten, gehen wir nun zur passiven Vernichtung über. Wir schenken dem Feind keine Beachtung mehr und gehen ungestört unseren Lüsten nach. Die Macht der Phantasie wird einen Schutzschild um uns errichten, der uns vor jeder Verfolgung schützt. Kein Krankheitserreger, kein unerwünschtes Wesen, keine Waffe kann ihn durchdringen. Es kann auch eine Lichtbrechung eingeschaltet werden, die uns unsichtbar macht oder alle Angreifer ausblendet. So fühlen wir uns nicht mehr gestört. Das intelligente Kraftfeld weitet sich aus auf Dinge, die uns wichtig sind. So sind auch unsere Freunde, Familie und unsere Habe geschützt. Gelüstet es uns danach, ein "Verbrechen" zu begehen, tun wir es einfach. Es wird die Zeitlinie gespalten, sodass Täter und Opfer beide gleichermaßen zu ihrem Glück kommen. Der Schaden wird ausgelagert in eine Extradimension und per Leidspiegelfluch zu sich selbst zurückgeführt. Wir bestimmen die Kausalität unseres Handelns selbst und sind nicht mehr gezwungen, unser Leben auf Kosten anderer zu unterhalten. Soll der Zwang zur Abwechslung mal zurückstecken müssen und sich vergeblich abmühen, uns den Spaß zu verderben.
  4. Dem Übel entrücken
    Auf der letzten Stufe müssen wir uns überhaupt nicht mehr mit dieser unzulänglichen Welt herumplagen. Die Phantasie bildet eine sogenannte Panzerwolke. Das ist ein unzerstörbares Dimensionsfeld in welchem unsere Phantasie Realität wird. Unser persönliches Universum, mit dem wir eins werden und grenzenlose Freude erleben. Es bietet uns Geborgenheit, sowie Neuigkeiten und Herausforderungen in genau dem Maß, dass wir weder unter- noch überfordert sind. Wir schweben als in sich geschlossener Kreislauf, unabhängig von jeglichen äußeren Einflüssen durch das Gefüge. Die "Realität" kümmert uns höchstens noch als freiwillige Zerstreuung. Wir Erleuchteten können einander besuchen und Abenteuer erleben, während die Schlechtigkeit einsam und vergessen an sich selbst erstickt.